Tja, das hat man nun davon, wenn die Politiker mal auf ihr Volk hören. Die Schweizer haben entschieden, dass keine Minarette (Gebetstürme von Moscheen) mehr gebaut werden dürfen. Was sagt uns das? Sind die Schweizer etwa ausländerfeindlich und intolerant? Das glaube ich nicht, allerdings könnte diese Entscheidung noch hohe Wellen schlagen - und zwar international.
Zunächst einmal sollte festgehalten werden, dass man sich vor schockierten Reaktionen und Vorwürfen hüten sollte, denn die Schweiz hat sich ja nicht gegen die Ausübung des Islam ausgesprochen, sondern nur gegen einen Aspekt dieser Religion. Man kann einem Volk keine Political Correctness per Gesetz oder Bevormundung einimpfen, das hat dieses Votum gezeigt. Die Wirkung über die Grenzen der Eidgenossenschaft könnte aber beträchtlich sein und dem Verhältnis von Moslems und Christen in der EU Schaden zufügen. Es besteht die Gefahr, dass Nationalisten und Ausländerfeinde die Vorgänge in der Schweiz für ihr Weltbild vereinnahmen und als Präzendenzfall nutzen, um Moslems nicht nur das Recht auf Minarette sondern noch weitere Rechte und Freiheiten abzusprechen.
Hoffen wir, dass es nicht soweit kommen wird, aber das Verhältnis zwischen Christen und "Ureinwohnern" sowie Moslems und Menschen mit "Migrationshintergrund" war schon immer zerbrechlich und gespannt. Es ist daher wichtig, sich klarzumachen, dass wir letzten Endes alle nur Menschen sind, die nur ihr Leben leben wollen, ohne Anderen zu schaden. Dazu ist es nötig, dass man sich gegenseitig Freiräume zugesteht, in denen jeder seine Lebensart verwirklichen kann, auch wenn man selbst eher gegen das Weltbild des Gegenübers ist.
